Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine fachgerechte, multidisziplinär eingebettete Versorgung von Frauen und Mädchen nach FGM in Deutschland umgesetzt wird.
Prof. Dr. Thomas Kremer, Chefarzt der Klinik für Plastische und Handchirurgie mit Schwerbrandverletztenzentrum sowie Leiter des Zentrums für Intensivmedizin am Klinikum St. Georg Leipzig, stellt die medizinischen Grundlagen der vulvo-klitoralen Rekonstruktion vor und berichtet aus seiner chirurgischen Praxis im Rahmen des SAIDA Kompetenzzentrums.
Simone Schwarz, Geschäftsführerin von SAIDA International e.V. und Initiatorin des SAIDA Kompetenzzentrums, erläutert, wie die Versorgung in einem strukturierten, multidisziplinären Versorgungskonzept mit chirurgischer Behandlung, psychosozialer Beratung, sexualpädagogischer Begleitung und verbindlicher Nachsorge umgesetzt wird.
Dabei wird aufgezeigt, wie die Kooperation zwischen Klinikum und Fachberatungsstelle konkret organisiert ist und welche Qualitätsstandards sich in der Praxis bewährt haben.
Mit den frischen Eindrücken aus der SAIDA Jahreskonferenz vertiefen wir am 21. Januar 2026 gemeinsam folgende Aspekte:
- Indikationsstellung und OP-Ablauf
- Bedeutung einer strukturierten psychosozialen Begleitung
- medizinische Standards und Versorgungsqualität in Deutschland
- Verfahren zur Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Unser Ziel ist es, Orientierung zu bieten und Handlungssicherheit für alle Fachkräfte zu stärken, die betroffene Frauen auf ihrem Weg begleiten.
Warum Aufklärung notwendig ist
Wir wollen Desinformation entgegenwirken. Die vulvo-klitorale Rekonstruktion ist ein kassenärztlicher Eingriff, der nicht privatärztlich in Anspruch genommen werden muss.
In der Praxis bestehen jedoch weiterhin Unsicherheiten darüber, welche medizinischen Möglichkeiten in Deutschland tatsächlich zur Verfügung stehen und unter welchen Voraussetzungen eine Behandlung erfolgen kann. Unklare oder unzutreffende Informationen können dazu führen, dass Betroffene notwendige Versorgung nicht in Anspruch nehmen oder unnötige Hürden befürchten.
Frauen und Mädchen haben ein Anrecht auf sachliche, verlässliche Information über die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehört auch die Kenntnis darüber, dass rekonstruktive Eingriffe nach FGM Teil der regulären medizinischen Versorgung sind und bei entsprechender Indikation über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet werden können.
Fachkräfte im Gesundheitswesen, in Beratungsstellen und psychosozialen Diensten tragen hierbei eine zentrale Verantwortung. Verlässliche Information ist eine Voraussetzung dafür, dass Betroffene informierte Entscheidungen treffen und ihre Rechte auf angemessene medizinische Versorgung wahrnehmen können.
Richtig ist:
- Die vulvo-klitorale Rekonstruktion ist eine anerkannte Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.
- Patientinnen benötigen lediglich eine fachärztliche Indikation und einen Kostenübernahmeantrag bei der Krankenkasse, jedoch keine privaten Vorleistungen.
- Es gibt in Deutschland mehrere qualifizierte medizinische Angebote – darunter das multidisziplinäre SAIDA-Kompetenzzentrum am Klinikum St. Georg in Leipzig.
Fachkräfte im Gesundheitswesen, in Beratungsstellen und psychosozialen Diensten sind auf verlässliche Informationen angewiesen. Irreführende, falsche Aussagen gefährden den Zugang zur Versorgung und damit die Rechte der Patientinnen.
An wen richtet sich die Veranstaltung?
Das Forum FGM richtet sich insbesondere an Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, Mitarbeitende von Beratungsstellen und psychosozialen Diensten, Akteur:innen im Gewaltschutz und in der Migrationshilfe sowie alle, die zum Schutz und zur Versorgung FGM-betroffener Frauen und Mädchen beitragen möchten.
Wenn Sie einen Termin für die Beratung einer Klientin im SAIDA Kompetenzzentrum vereinbaren möchten, schreiben Sie bitte an: kompetenzzentrum@saida.de.
Mehr Informationen finden Sie auf der Website der SAIDA Fach- und Beratungsstelle. Den Flyer des SAIDA Kompetenzzentrums und Erklärfilme finden Sie dort in der Mediathek.
